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  2006
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From time to time I will write down some things which happened to me........

The Streets of Oslo

Es 1980 und ich noch in der Ausbildung, als der Gedanke aufkam, mit
Schülern die schwedische Patengemeinde einer Orte im Einzugsbereich der
Schule zu besuchen. Älvdalen liegt in Mittelschweden. Wir wollten gern
im Winter fahren, eine absolute Neuigkeit damals.
Verhandlungen mit Fährlinien geführt; es gab ein fast unglaublich
günstiges Angebot.
Zum Glück lag in dem Winter auch bei uns etwas Schnee, so konnten wir
mit den Schülern Langlauf üben. Für einen Rollstuhlfahrer hatte ich aus
den gebrauchten Abfahrtsskiern einer Freundin ein Gestell gebaut, auf
das wir den Rollstuhl schrauben konnten. Das konnte man trefflich vor
sich her schieben.
Um die Kosten im Rahmen zu halten, entschieden wir uns, uns selbst zu
verpflegen. Hauswirtschaft gehörte schon immer zu unseren
Unterrichtsbereichen. Von der benachbarten Fabrik für Fertiggerichte
haben wir "Knickdosen" günstig erstanden.
Im Unterricht Kofferlisten erarbeitet und geübt, Koffer zu packen.
Endlich ging es dann im März los. Großer Schulbus, ein Kleinbus mit
Anhänger für alles Gepäck und die Skier. Ich hatte die ehrenvolle
Aufgabe, den Kleinbus zu lenken - die ersten Kilometer, dann sollte ich
abgelöst werden. Das geschah aber nicht, ich fuhr jeden Kilometer.
Auf der Fähre konnten sich Schüler und Schülerinnen schnell orientieren
und so durften sie sich weitgehend frei bewegen. Ein tolles Erlebnis war
die abendliche Disco mit Life-Musik.
Am nächsten Tag erreichten wir Oslo, von dort ging es über verschneite
und vereiste Straßen Richtung Schweden, ungefähr 350 Kilometer. Ohne
Schneeketten oder Spikes erfordert das Fahren höchste Konzentration.
Am Abend erreichen wir den Zielort. Unser freundlicher Gastgeber und
Arrangeur Ove begrüßt uns. Sein "Es hätte schlimmer kommen können."
begleitet uns durch die nächsten Tage. Er hatte ein Programm für die
nächsten Tage für uns ausgearbeitet, Besichtigungen, Veranstaltungen,
Ausflüge und sogar etwas Zeit "für eigene Aktivitäten".
Die Hütten sind etwas verstreut in der Landschaft. Der Großbus verteilt
die Gruppen, ich das Gepäck. Die Kühlwassertemperatur geht nicht über 40
Grad. Nach ein paar Überlegungen ist der Grund klar - draussen sind
minus 30 Grad. So kalt war es dann in den Nächten meistens.
Endlich war ich mit meinen Schülern in meiner sehr komfortablen Hütte.
Thomas, den ich nur mit großen Überredungskünsten mitnehmen konnte, da
er erst kurz vor der Reise eine neue Herzklappe bekommen hatte, Rudolf,
Fredi, Thomas2 und Ralf.
Schnell die Koffer ausgepackt, die Betten bezogen, ein kurzes Abendbrot
und ab ging es zur verdienten Nachtruhe.
Ich selbst blieb noch etwas wach, ließ den Tag Revue passieren und
spielte mit einem Kollegen per CB-Funk etwas Schach. Das haben wir an
den folgenden Tagen öfter getan. Die Hütten waren einfach so weit von
einander entfernt, dass wir uns an den Abenden kaum treffen konnten.
Nur in ganzen Gruppen ging das, was wir dann auch manchmal machten, um
gemeinsam zu spielen.
Am nächsten Morgen sprang der Bus natürlich nicht an, die Batterie war
durch den extremen Frost nicht in der Lage, ihren Dienst zu tun. In den
folgenden Nächten habe ich die Batterie immer ausgebaut und im
Badezimmer aufbewahrt; die Kolleginnen haben dann auf den Bus gern
verzichtet.
Wir haben uns dann immer zu bestimmten Zeiten für unsere Aktivitäten
verabredet. So musste ich sehr oft mit dem Bus pendeln.
Das Losfahren am nächsten Tag klappte auch nicht: unsere Auffahrt war zu
glatt. Streumaterial gab es nicht. So ließ ich die Schüler alle Töpfe
und Kessel auf den Ofen stellen und Wasser kochen. Das heiße Wasser
haben wir dann auf den Weg gegossen - fort war das Eis! Das war für die
Schüler schier unglaublich.
Täglich waren wir auf den Loipen. Die Erfindung mit dem Rollstuhl
klappte bestens, nur einmal ist er umgekippt. Oliver hat ganz doll
gelacht darüber.
Die Anfänger machten kleine Rundtouren. Eisenbahn haben sie gespielt.
Ein Lehrer vorweg, alle anderen in sehr kurzem Abstand hinterher. Das
hat jeder geschafft. Wie stolz sie waren!
Andere waren richtig gut dabei, hatten schnell eine gute Technik, Kraft,
Ausdauer und Schnelligkeit. Da konnte man richtige Touren von ein paar
Stunden machen.
An einem Tag machte die ganze Gruppe wieder gemeinsam einen Ausflug. In
der Wildnis zogen wir unsere Spuren durch den Schnee; es fing an zu
nieseln. Für die Schüler schier unglaublich: wir machten ein Lagerfeuer
, stellten einen riesigen Topf darauf, warfen Mengen von Schnee hinein und
dazu etwas Fleisch und Gemüse. Eine Schneesuppe! Toll hat sie geschmeckt!
Auf der Rückfahrt waren die Straßen unglaublich glatt; sie hatten noch
den Frost der Nacht gespeichert und nun gefror der Nieselregen
sekundenschnell. An den Straßenrändern waren viele gefrorene
Wasserfälle, die ich gern fotografieren wollte. Der Bus ließ sich nicht
bremsen, so machte ich die Fotos während der Fahrt. Scheibe
runtergekurbelt, eine Hand am Lenkrad, die andere an der Kamera.
Meine Beifahrerin wurde doch etwas bleich.
Nachdem ich wieder die Gruppen verteilt hatte und mit meinen Leuten in
unsere Straße einbog, kam ich doch von der Straße ab. Es ging ungefähr
fünf Zentimeter tief hinunter. Mit keinem einzigen Trick klappte es, den
Bus wieder auf die Straße zu bringen. Nun mussten alle aussteigen und
schieben. Weil es so sehr glatt war, fielen sie alle hin und das
Schieben klappte überhaupt nicht.
Ein paar freundliche Schweden neben deren Haus das geschah kamen zur
Hilfe. Doch auch ihr Schieben half nicht. Einer von ihnen holte einen
Eimer Sägespäne, streute die vor die Räder und schon waren wir befreit.
Im selben Moment klirrte es: Rudi hatte mit einem Schneeball eine
Fensterscheibe des Hauses der freundlichen Helfer eingeworfen!
Die waren sehr böse und ich habe lautstark mit Rudi geschimpft. Er hat
nur ganz unschuldig geschaut und gesagt: "Wieso? Der Schnee ist doch
weich und die Scheibe ist hart"
Im Rahmen der Vorbereitung der Reise hatte ich während einer
Beratungsstunde mit den Schülern geübt, Schuhe wasserdicht zu machen.
Damals noch sehr wissenschaftlich: eine Filtertüte genommen, Wasser
hinein - das Wasser läuft durch. Neue Filtertüte, mit Schuhcreme
einreiben, Wasser hinein: das Wasser bleibt drin! Dann haben alle ihre
Schuhe eingecremt und wussten nun, wozu das gut ist. Rudi hat später zu
Hause seinen neuen Schneeanzug wasserdicht gemacht.
An einem Abend saßen wir vor dem Kamin und spielten. Rudi geisterte
durch das Haus und als ich nachschaute, was er so trieb, da hatte er
sowohl unsere gesamten Apfelsinen aufgegessen als auch sämtliches
Haarshampoo aufgebraucht. Er ließ das Wasser laufen, goss das Schampoo
über seine Hand und bewunderte fasziniert was dann geschah. Ich war
recht ärgerlich und schickte ihn ins Bett. Wir spielten weiter bis es
plötzlich draußen ans Fenster klopfte. Das war Rudi. Bei minus 30 Grad
und im Pyjama und Hausschuhen. Wer rauskommt, kommt auch wieder rein,
dachte ich und ignorierte ihn. Als er nach einer Weile noch immer nicht
wieder im Haus war ging ich nach draußen, ihn zu suchen. Er lag
bäuchlings im Schnee. Ich dachte, er onaniert wieder (was nicht selten
so geschah) und schimpfte ihn gehörig aus. Mühsam stand er auf und ging
mit mir ins Haus zurück. Ich schickte ihn ins Bett und ging wieder zu
den anderen, unser Spiel fortsetzen. Nun war Rudi im Bad und kam nicht
wieder. Wieder etwas ärgerlich ging ich zu ihm und fand ihn vor dem
Spiegel. Er schaute sehr interessiert seinen Hals an, der rote Streifen
aufwies. Ich dachte, sein Pullover habe gefärbt. Aber so interessiert,
wie er das untersuchte guckte ich doch genauer hin. Das waren Würgemale!
Das war doch sehr rätselhaft. Ich habe draußen alles abgesucht und dann
schließlich die Lösung gefunden. Auf unserem Hof waren Wäscheleinen
gespannt. Rudi hatte die Angewohnheit, oft wie ein Känguru umher zu
springen. Ich habe immer darauf gewartet, dass er sich irgendwo mal ganz
heftig den Kopf stößt. Das aber passierte nie - doch hier war die
Wäscheleine genau in der richtigen Höhe und er hat sie in der Dunkelheit
nicht gesehen!
Thomas mit der neuen Herzklappe war anfangs sehr ängstlich. Er bekam ein
Mittel zur Senkung der Blutgerinnung und traute sich nun nicht, sein
Brot selbst zu schmieren. Er meinte, er dürfe kein Messer anfassen.
Einen Tag hatte ich meine Gruppe zu unserem Haus gebracht und noch
einmal losgefahren, die anderen zu verteilen. Als ich zurück kam, da
kamen mir die Schüler schon aufgeregt entgegen. Thomas war schlecht
geworden und er klagte über Schmerzen. Im Ort gab es keinen Arzt. So
habe ich einen Kollegen aus einem anderen Haus geholt, dass er bei
meinen Leuten bleibt. Dann habe ich Thomas in den Bus geladen, Fredi als
Begleiter mitgenommen und bin dann 40 Kilometer zum nächsten Krankenhaus
gefahren. Die Ärzte fanden nichts bei ihm, doch ich war deutlich
erleichtert. Weil es so spät war, verbrachten wir die Nacht gemeinsam im
Krankenhaus. Das war für die beiden Schüler schon sehr aufregend.
Die Selbstverpflegung klappte prima, das machen wir seit dem immer.
Probleme gab es nur, als Fredi unbedingt selbst Pfannkuchen machen
wollte. Ich mag Pfannkuchen nicht so sehr und wir hatten es ja genug
geübt, so ließ ich die Schüler gewähren. Sie mochten ihre Pfannkuchen
dann selbst nicht, denn sie hatte Zucker und Salz verwechselt. An einem
Tag hatte sich der Schulleiter zum Essen angemeldet. Wir hatte serbische
Bohnensuppe gekocht. "Studentenessen!" -schimpfte der Schulleiter und
klagte über Sodbrennen. Alle anderen haben es sehr gern gemocht.
Das Programm von Ove war sehr liebevoll gemacht. Wir haben mit den
Leuten aus dem Dorf im Versammlungshaus Bingo gespielt, eine Werkstatt
für Behinderte besucht und viele interessante Dinge gesehen. Wann immer
etwas nicht so ganz klappte: "Es hätte schlimmer kommen können!"
Die Rückfahrt nach Oslo war sehr anstrengend. Die Straßen waren matschig
und glatt abwechselnd. Oder matschig und glatt zugleich.
Für die 350 Kilometer brauchten wir gut acht Stunden. Zum Glück hatten
wir uns entschieden, eine Nacht in Oslo zu bleiben, so brauchten wir
keine exakte Zeit einzuhalten, um die Fähre zu bekommen. Nach dieser
Anstrengung wollte ich nur noch eines: ein schönes Bier!
Viele Kollegen und Kolleginnen wollten mit. Ich habe gesagt: "Eine
Bedingung: ich fahre nur hin - zurück fährt jemand anders." Damit waren
alle sofort einverstanden. Ich kenne mich in Oslo etwas aus und so saßen
wir in einem recht gemütlichen Lokal und haben ausführlich alle
Erfahrungen der Reise besprochen. Weil das Bier so teuer war gab es
Aschenbecher ostenlos zum Mitnehmen.
Spät in der Nacht sollte es dann zurück zum Haraldsheim gehen. Ich
setzte mich hinten in den Bus, die anderen berieten, wer denn fahren
sollte. Eine ganz junge Kollegin war dann schließlich bereit. Doch
welchen Weg sollte sie den fahren? "Fahre immer den Straßenbahnschienen
entlang." -sagte ich und schon fuhr sie los und wir anderen waren im
Gespräch vertieft. Plötzlich hielt der Bus an und die Kollegin am
Lenkrad fing ganz laut an zu lachen.
Niemals vorher und auch hinterher habe ich jemanden so lachen gehört.
Wir waren etwas irritiert und schauten uns um. Dann sahen wir auch, was
passiert war: sie war tatsächlich immer den Straßenbahnschienen entlang
gefahren, doch es gab schon lange keine Straße mehr und wir waren dicht
vor dem Straßenbahndepot!

Als wir am nächsten Tag in Kiel ankamen schien die Sonne, es war warm,
die ersten Blüten waren da - es war Frühling.



Die Weißbuchenhecke



Die Nachbarn haben an einer Seite ihres Grundstücks eine Weißbuchenhecke. Kein besonderes Prachtstück, aber ein guter Sichtschutz. Knappe neun Meter lang und gut zwei Meter hoch. Eine Hecke hat ja was von Natur an sich und das kann lästig werden. Sie wächst, dann muss man sie schneiden. Oder sie wirft Blätter ab, die sollen dann weggefegt werden. Oder sie wächst nicht so wie sie soll, dann wird sie getrimmt. Das alles ist lästig und spricht dafür, die Hecke durch einen Zaun zu ersetzen.

Erster Tag:


Ein Kleinlaster kommt am Nachmittag angefahren, zwei Männer steigen aus, nehmen erst mal die Sache in Augenschein. So einfach kann man da ja gar keinen Zaun hinbauen! Da muss ja erst mal die Hecke weg. Oh Mann!
Ich muss mich ja eigentlich auf die Prüfung vorbereiten, kann aber nicht widerstehen und gucke ab und zu mal hin, was da so passiert. Absolute Sonderklasse sind die Gespräche der beiden Arbeiter.
Die holen sich jetzt Spaten und Schaufeln von ihrem Laster und fangen schon mal an zu buddeln. Der Boden ist schön hart, die Wurzeln verzweigt und tief. So richtig kommen sie denn auch nicht voran. Es wird geschimpft und geflucht. Die beiden schwitzen ordentlich. Nun ist da endlich ein Loch, doch die Buchen stehen immer noch. Na sollen sie doch: Wir machen jetzt mal Feierabend.

Zweiter Tag:


Recht früh kommt der kleine gelbe Mercedes Pritschenwagen, die beiden steigen aus und sehen sich erstmal um. Ach ja, die Buchen müssen weg bevor wir den Zaun setzen können. Stimmt ja, war nicht so einfach. Also ausgraben - das lassen wir mal lieber. Sie holen sich eine Säge vom Laster und fangen an zu Sägen. Das ist mühsam, denn die Wurzeln sind ja unten, da muss man sich doch bücken. Sie sägen so etwas vor sich in und beschließen dann, dass es so nicht weitergehen kann. Zum Glück haben sie ja eine Kettensäge mit. Wunderbar. Einen Nachteil hat sie ja: sie ist eine elektrische Kettensäge. Da die beiden Arbeiter in das Haus des Nachbarn nicht reinkönnen und draußen keine Steckdose ist ist die schöne Kettensäge völlig wertlos. Ich habe das ja alles beobachtet und kann mit einem langen Kabel das Problem lösen. Nun fällt eine Buche nach der anderen, wird gleich etwas zerkleinert und auf den LKW geworfen. Damit ist dann für heute Feierabend.

Dritter Tag:


Wieder recht früh dieseln die beiden Handwerker an. Sorgfältig wird gemustert was sie schon alles geschafft haben. Alles wird wortreich kommentiert. Mit dem Zaun können sie noch immer nicht anfangen, denn die Stubben schauen einfach zu weit aus der Erde. Also müssen die beiden doch noch viele Löcher graben. Wieder kommen sie ordentlich ins Schwitzen. Sind die Stubben dann freigelegt kommt wieder die Kettensäge zum Einsatz, die Wurzeln werden gekappt und die Stubben mühsam aus der Erde gewuchtet. Dann müssen die ja noch auf den Laster. Immerhin können sie mit dem Laster jetzt bequem auf das Grundstück fahren. Meine Güte, das ist aber auch ein Haufen Arbeit! Als ob das noch nicht genug wäre: die Löcher müssen ja noch zu! Nun bekommt man ein Loch in dem mal was drin war nicht so einfach zu. Also müssen die beiden die Erde mühsam zusammenkratzen damit es einigermaßen eben wird. Das ist dann aber für heute wirklich genug.

Vierter Tag:


Nun kann es ja endlich mit dem Zaun losgehen. Ach nein, doch nicht so recht. Es müssen ja Pfähle in die Erde und das geht doch nur, wenn da Löcher in der Erde sind. Zu allem Überfluss müssen die Löcher nicht dorthin, wo sie eben zugeschüttet wurden. Irgendwo müssen jetzt neue Löcher hin. Maßband her und mal ausmessen, wie lang der Zaun werden soll. Dann muss man noch irgendwie durch irgendwas teilen und da kommen dann die Pfähle hin. Nein, erst die Löcher, dann die Pfähle! Oh Mann, dass ist aber auch ein Haufen Arbeit. Immerhin haben sie jetzt etwas mehr Erde für das Planieren der alten Löcher. Nun muss man noch lange darüber verhandeln, wie tief die neuen Löcher werden sollen. Sie werden dann aber doch nicht so tief, die Erde ist doch einfach zu hart. Weil die Arbeit heute so gut flutscht werden schon mal die ersten Pfähle gesetzt. Es muss doch irgendwie zu schaffen sein, dass die alle gleichweit aus der Erde gucken. Aber die wollen nicht so recht. Also graben! Wenn graben nicht reicht? Pfähle absägen. Nun muss die Erde um die Pfähle herum noch gestampft werden. Das ist zur Abwechslung nun mal nicht so schwer. Nun ist immer noch etwas Zeit, da können wir ja mit dem Zaun anfangen. Es soll ein Flechtzaun werden. Eichenpfähle und Nadelholzbretter. Also: hier anfangen, dann vor dem nächsten Pfahl und hinter dem dann und dann so weiter. Ganz einfach. Na, da fangen wir mal an, ich hier und du da. Nun wird fleißig gehämmert und der Fleiß wird sichtbar. Plötzlich zögern sie. Ist was nicht richtig? Guck mal, da sind doch glatt beide Bretter vor dem Pfahl. Also das stimmt doch was nicht. Nochmal genau geschaut. Ach ja, da haben wir nicht gewechselt. Was nun? Nein, es hilft nichts, das Brett muss wieder ab. Nun wird das Brett gleich an die richtige Stelle genagelt und auch richtig geflochten. Klasse und .....Feierabend.

Fünfter Tag:


Nun kann es endlich Schlag auf Schlag losgehen. So bringt Arbeit Spaß. Das geht voran und man sieht was man getan hat. Brett auf Brett wird genagelt, das flechten klappt bestens, die Laune steigt.
Plötzlich dröhnt ein Aufschrei durch die ganze Siedlung: "Ich bin doch das Arschloch des 20ten Jahrhunderts! Heute morgen habe ich noch zu mir gesagt: du darfst nicht mit dem Auto auf das Grundstück fahren!!!!!!!
Panne aber auch. War er, weil es so schön bequem war, mit dem Laster auf das Grundstück gefahren, hatten sie den Zaun fertig gemacht und dann festgestellt, dass sie damit für ihren Laster den Rückweg zugenagelt hatten!

Pleuronectus platessa


Ein brauchbarer Weg, mit einem guten Gedächtnis zu beeindrucken ist es, seine Assoziationen zu pflegen. Ein gutes Gedächtnis kann auch Türen öffnen. Und manchmal Geld sparen helfen.
Ich war vor ein paar Jahren mit einigen Klassen in der Nähe Hvidesande, tolles Wetter, gute Stimmung, alles vom Besten. Eines Morgens fuhr ich eine Gruppe nach Hvidesande, sie wollten am Strand zurück zu den Häusern gehen. Sie stiegen aus; ich ging zum Kiosk am Hafen um etwas Tabak zu kaufen, als mich ein Mann aus einigen Metern Entfernung ansprach. Mein Dänisch ist nicht sehr gut und der Dialekt der Westküste ist besonders schwer verständlich (link dazu auf meiner web-site).
Da fragte er, in welcher Sprache es mir denn lieber sei, er spräche 14 Sprachen. Ich zog Deutsch vor und er begann sogleich, ein Lied zu singen......die Forelle! Er hatte im Kiosk einige Biere gekauft und bot mir eines an. Da ich etwas Zeit hatte und der Mensch mich interessierte ging ich mit. Hinter einer Fischerbude auf langen Angelkisten saßen einige seiner Kumpel und wir setzten uns dazu. Er erzählte mir, dass er Maler sei, Stipendium von der Akademie der Künste, müsse vier Bilder pro Jahr abgeben. Sprach von seinem Haus in Portugal, dass er im Sommer vermiete, da Hvidesande sowieso das beste sei. Redete von Reisen in viele Länder, in Südamerika habe man ihn mal gar nicht aus dem Flugzeug aussteigen lassen, weil er politisch unerwünscht sei, da er ein paar entlarvende Artikel über diesen Staat verfasst habe. Er ging los, holte noch ein paar Bier und wir sprachen weiter. Ich hatte versucht, für die Schüler eine Fahrt mit einem Fischkutter zu organisieren, doch im Fremdenverkehrsbüro sagte man mir, dass dies aus versicherungstechnischen Gründen nicht mehr gehe. Keine Chance! Also fragte ich meinen neuen Bekannten, ob er mir behilflich sein könne. Kein Problem! Er sei Anteilseigner an einem Kutter und ich könne natürlich mit den Schülern kommen und er würde was für uns organisieren. Klasse! Darauf noch ein Bier. Ich setzte zwischendurch mit dem Biertrinken aus, worauf er mich fragte, ob ich denn überhaupt nicht trinken würde. Irgendwann hatte Sven -den Namen wusste ich nun- kein Geld mehr und bat mich, ihn nach Ringköbing zu fahren. Also stiegen wir in den Bus und machten uns auf den Weg. Unterwegs musste Sven mal, er stieg aus bevor der Bus hielt und purzelte kopfüber in den Straßengraben, so stramm war er. In Ringköbing fuhren wir zum Sozialamt und holten seine Stütze ab. Während er auf dem Klo war fragte ich die Sachbearbeiterin über ihn aus. Sie sagte, er sei mal Mitglied der Regierung gewesen, Diplomat und so, sei dann durch Eheprobleme und Scheidung auf die schiefe Bahn gekommen. Sven Ringmann. Auf der Rücktour hielten wir am ersten Kiosk und Sven gab ein Bier aus. Kaufte gleich eine ganze einkaufstüte voll. Irgendwann musste ich doch zurück zur Gruppe, ich sagte, ich müsse noch Fisch kaufen für das Mittagessen. Klar, wir gingen zu seinem Kutter! Platessa, RI 187, ein recht kleiner Kahn, vielleicht zehn, zwölf Meter lang. Er führte mich herum, zeigte wo man schläft an Bord, die Maschine, den Steuerstand. Dann nahm er ein paar Einkaufstüten und stopfte sie voll Schollen. Ich konnte ihn nicht bremsen, so viele Fische tat er in die Tüten. Dann fragte er mich,ob ich wisse, was der Bootsname bedeute, ich hatte keine Ahnung. Er sagte, Pleuronectus Platessa sei der lateinische Name von Plattfisch, eben Scholle, oder wie man in Dänemark sagt: Roedspaette. Mit dem durchgestrichenen O und dem an das A gepappten E. Dann verabredeten wir uns für den folgenden Tag um 14 Uhr für die Bootstour mit den Schülern.
Zurück bei der Gruppe berichtete ich von meinen Erlebnissen. Eine Kollegin erinnert sich heute noch mit Grausen, wie wir alle die Fische ausnahmen, was sie noch nie vorher gemacht hatte. Sie erinnert sich aber auch an den tollen Kartoffelsalat, den wir dazu machten und benutzt das Rezept bis heute.
Am nächsten Nachmittag standen wir pünktlich am Hafen, ich hatte einen Kasten Bier gekauft .....niemand an Bord. Die Schüler entsprechend traurig, der Kollege dachte Grundsätzliches über meine Bekanntschaften. Nach zwanzig Minuten taucht ein Pickup auf und rauscht vorbei. Irgendwie fühle ich, dass dieses Auto was mit uns zu tun hat. Nach einer viertel Stunde kommt der Wagen wieder, jemand lehnt sich lässig aus dem Fenster und fragt, was wir wollen. Ich sage, dass Sven uns versprochen hat, mit uns zu fahren. Sie entgegnen, dass es heute ganz sicher nichts werde, schlechtes Wetter, keine Zeit und all das. Der Rest der Gruppe beginnt heftigst an mir zu zweifeln. Ich überredete sie, noch etwas zu warten, es würde bestimmt noch etwas passieren. So ganz genau hatte ich ihnen auch nicht erklärt, wie ablehnend die Dänen sich geäußert hatten. Nach noch einmal zwanzig Minuten kam der Pickup zurück, die beiden Männer sprangen raus und fragten, wieso wir noch nicht an Bord seien, sie wollten schließlich los. Wir kletterten auf den Kutter, verteilten uns gleichmäßig und ab ging die Reise. Man hat ja mal das Gefühl, nicht besonders erwünscht zu sein, überflüssig, lästig. Genau das Gefühl hatte ich jetzt. Bei den anderen war die Freude zu groß, um für so etwas offen zu sein. Die beiden Dänen unterhielten sich im breitesten lokalen Dialekt und mühsam konnte ich verfolgen, was sie sprachen. Ich bot ihnen ein Bier an, was sie annahmen ohne eine Gemütsregung zu zeigen. Besonders bewundert habe ich das Gebiss des Skippers: Ganz und gar aus Edelstahl - jedenfalls sah es so aus.Unvermittelt fragte mich der Skipper, ob ich eine Ahnung habe, was der Bootsname bedeute. Ohne zu zögern sagte ich, dass es eben Roedspaette sei. Nun öffnete sich seine Mine, er wurde ganz freundlich, ich musste ins Ruderhaus und er erzählte mir alles Mögliche. Dass das Boot seinem verstorbenen Bruder gehört habe zum Beispiel. Wir waren ein paar Stunden auf der Nordsee, er hatte auch Bier mit, langsam leerten sich unsere Vorräte. Abends hatten die Schüler was zu erzählen - und ich auch.

Blue


Ich fahre ja fast grundsätzlich Auto, ohne irgendwelche Karten zu benutzen. Von Wales her kommend wollte ich meine letzte Nacht in England in Norwich verbringen. Da war ich zwar schon mal und es hat mir nicht so gut gefallen, doch ein guter Freund hat den Ort so gelobt, daß er eine zweite Chance bekommen sollte.
Als die Wegweiser dann Cambridge anzeigten, da wußte ich, dass ich zu weit gefahren war. Na ja, Norwich ist zwar gut ausgeschildert, aber nur, wenn man von Osten oder Süden kommt. So entschloß ich mich dann, mich dann, es in Newmarket mit B&B zu versuchen. Das ist ja auch ganz nett, vor genau einem Jahr habe ich da mit genau dem Freund eine Pause gemacht, das war sehr nett und es fand gerade eine Oldtimerparade statt.
Aus reinen Zufall parkte ich genau an derselben Stelle. Nun mußte ich erst eine chash-machine finden, die Barschaft war schon knapp, für ein Bett jedenfalls würde es nicht reichen. Ich ging die Hauptstraße entlang als mich aus einer Seitengasse jemand ansprach. Ein rothaariger Mann, so ungefähr 40 Jahre alt. Ich verstand nicht, was er wollte und ging auf ihn zu. Er hatte eine Flasche in der Hand und bot mir davon an. Scotsmac. Eine Mischung aus Wein und Whisky. Schmeckt nicht so übel, besonders der zweite und dritte Schluck. Er bot mir eine Haschzigarette an, die aber habe ich dann doch abgelehnt. Bald war die Flasche leer, er ging und kaufte gegenüber im off-lincence die nächste. Er ist Schotte und Bettler. Ein Freund von ihm kam vorbei, den Arm in Gips, war gerade am Tag vorher verprügelt worden. Jugendlich ohne Grund. Er trank etwas mit und zog dann weiter. Nun gab mein neuer Bekannter ein paar Bier aus. Er erzählte mir aus seinem Leben und von ärger mit der Polizei. Hatte gerade ein paar Tage vorher auf der Wache eine Fensterscheibe zerschlagen, mit der blanken Faust. Er meinte, das sei besser, als einen Polizisten zu verprügeln. Es ist gut Hunde zu haben, da können sie einen nicht so lange festhalten.
Es wurde langsam dunkler und damit Zeit, sich nach einem B&B umzusehen. Im Dunklen macht niemand mehr die Tür auf. Mein Bekannter aber meinte, ich solle doch bei ihm übernachten. Das eigentlich wollte ich nicht. Aber ich bot ihm dann doch an, ihn nach Hause zu fahren, immerhin acht Meilen und das Taxi nach seinen Angaben sauteuer. "ei scho ju mi huss!" sagt er. Er wollte dann doch, daß ich mit reinkomme in sein Haus. Bedingung: ich sollte gegenüber seiner Freundin behaupten, ich sei sein Bruder, den er seit vier Jahren nicht mehr gesehen hatte. Außerdem dürfe ich keine Angst vor Hunden haben.
Also gingen wir rein. Er stellte mich als sein Bruder vor. Drinnen waren seine Freundin Sue, eine mittel-alte Frau mit sehr schmalen Lippen und strenger Frisur, sein Freund Martin und drei Hunde. Die Hunde so groß wie Kälber. Mr. Spock, Angel und Zowie: ein Greyhound, ein Dingo und ein arabischer Rennhund. Die Hunde sprachen auch verschiedene Sprachen. Sollten sie sich setzen, so hieß es entweder "sit!"... "down!" ....oder "hit it!".....je nach dem , wer gemeint war. Martin sagte, er sei einmal der reichte Mann aus ganz Cambridge gewesen. Hätte aber jetzt aufgehört. ! "I've seen too many of them die!" Er sprach unglaublich nasal, wahrscheinlich keine Nasenscheidewand mehr.
Sue machte mir etwas zu Essen. Ganz toll zurechtgemacht: Hühnerbrust, Gemüse, Kartoffeln, liebevoll garniert. Dazu gab es Scotsmac.
Später in der Nacht erzählte Blue, so heißt mein neuer Bekannter, er sei mit Sean Connery verwandt. "Wollen wir ihn anrufen?" Die anderen winkten ab. "Wir rufen ihn dreimal die Woche an!" Tony Blair haben wir dann auch nicht angerufen, mit dem war Blue mal in einer Klasse. Er war auch mal ein ganz toller Schwimmer, hatte mal den schottischen Meister in irgendeiner Schwimmdisziplin geschlagen. Nun hat er ein Bäuchlein.
Mittlerweile hatte ich Sue dann doch beichten müssen, daß ich nicht mit Blue verwandt bin. Später machte Martin mir dann auch was zu Essen. Chili....unglaublich scharf! Wirklich viel zu scharf, um überhaupt was zu schmecken. Ich stellte den Teller zu Freude der Hunde auf den Fußboden.
Es gab mehr Scotsmac, Blue legt ein Video ein, irgendwas mit Lee Marvin. Hobos auf einem Zug, viele Revolver. Die anderen meinten, das hätten sie nun schon 200 Mal ansehen müssen. Machte nicht so viel, es schaute eh keiner hin. Jetzt noch ein paar Bier, dann Scotsmac, dazu meine Zigarillos. Klasse. Irgendwann springt Blue auf, kommt wieder und will mir ein Geschenk machen. Man darf kein Geschenk eines Schotten ablehnen! So bekomme ich einen Manschettenknopf mit eingebauter Uhr. Leider kann ich mich nicht revanchieren.
Sehr sehr spät machet Sue für mich auf dem Fußboden das Bett. Sauberes Bettzeug, eine Matratze. Martin schlief mit Zeug auf dem Sofa neben mir. Er kann nicht mehr in Betten schlafen. Zugedeckt war er mit einem Hund.
Als ich kurz vor dem Einschlafen war dachte ich: zum Glück sieht mich keiner von meinen Kollegen. Und: wenn sie mich jetzt umbringen soll es jedenfalls nicht sehr schmerzhaft sein. Am nächsten Morgen waren Sue und Blue schon früh in der Küche aktiv. Sie wuschen ab und machten das Frühstück.
Wir setzten uns in den Garten, ich bekam frischen Kaffe und ein wirklich tolles englisches Frühstück. Wieder liebevoll gemacht und nett garniert. Ich wartete mit dem Essen bis die anderen auch was hatten. Die sagten aber nur, ich solle schon anfangen, sie könnten so früh nichts essen. Statt dessen tranken sie ihr Bier und rauchten ihr Dope. Irgendwann war dann Zeit zum Fahren. Ich brachte den ganzen Verein inklusive Hunde noch nach Newmarket wo wir uns verabschiedeten.
Jetzt schreiben wir uns gelegentlich, manchmal ist eine kleine Flasche oder eine Zigarre mit dabei.
Ich bin doch sicher, wir werden uns wiedersehen!

DSB


oder: dänische Arbeitsmoral
oder: Fisker und Vogt
1985. Reisevorbereitungen, Segelturn nach Dänemark, das Boot muß noch hergerichtet werden, kleine Reparaturen, Wanten checken, Fallen überprüfen, umstauen, na ja, was eben so alles anfällt. Es ist brüllend heiß, der Schweiß rinnt überall hin. Nicht so doll viel Lust zum Arbeiten. Man kann wohl doch ein Gespür dafür entwickeln, daß man beobachtet wird. Ich jedenfalls fühlte mich beobachtet und drehte mich um. Auf dem Steg stehen zwei Männer und schauen mir zu. Als sich unsere Blicke treffen fragen sie mich, ob ich wisse, wo der Transithändler seinen Laden habe. Damals hatte Transit ja noch was. Das Anschreibebuch war schon eine Art Statussymbol. Dann der Einkauf: die Flasche Rum für unter 2 DM. So ein Büchlein habe ich wohl auch gehabt, allein: benutzt habe ich es nie. Dazu rauche und trinke ich wohl doch zu wenig.
Ich fange umständlich an zu erklären, doch sie sind Dänen und so ganz klappt es nicht, ihnen klarzumachen, wo es nun genau ist. Mein Dänisch ist doch nicht so geschliffen und alltagstauglich. Da meine Arbeitswut wegen der Hitze sehr begrenzt ist schlage ich ihnen vor, sie zum Transit zu fahren. Klasse Idee, finden sie. Also steigen wir in mein Auto und machen uns auf den Weg. Beim Händler geben sie erst einmal ein Bier aus. Das ist ja auch ganz gut bei der Hitze. Dann lassen sie sich die Preisliste geben und wollen sie ihren Frauen zeigen. Wieder in mein Auto, zurück zum Hafen. Ich werde zu ihnen an Bord eingeladen, ihren Frauen vorgestellt und es gibt ein neues Bier. Man redet kreuz und quer, über Transit, Dänemark und Gott und die Welt. Dann muß es natürlich zurück zum Transit gehen, die ausgesuchten Waren müssen ja noch gekauft und zum Boot gebracht werden. Wieder beim Händler gibt es das nächste Bier, es ist ja auch immer noch heiß. Dann fahre ich sie wieder zu ihrem Boot, ich werde zum Ehrendänen ernannt, es gibt noch ein Bier. Ich muß sie nun nach Friedrichsort fahren, sie brauchen noch einen Wasserkessel. Chrom soll es sein, eine Preisgrenze gibt es auch. Bei Siems bekam man damals wirklich alles und wirklich alles günstig. Es geht wieder auf ihr Boot, noch ein Bier, Gespräche über Segeln, der Heimathafen ist Egaa, das sprechen sie EIO, heißt Eichenau, der Bach mit den vielen Eichen, liegt bei Aarhus. Eigentlich ja dänisch geschrieben, das A mit dem Kringel drauf. Klar, den Ort kenne ich doch. Irgendwann kann ich doch von dannen ziehen. Zuvor allerdings muß ich ihnen noch versprechen, sie unbedingt zu besuchen wenn ich jemals nach Aarhus kommen sollte. Klar, verspreche ich.
Tage später segele ich los, Henrik -damals knapp über 10 Jahre alt- mit an Bord und Freund Thomas. Es ist die erste Tour für die es gelingt, eine zweite Crew zu organisieren, deshalb kann das Boot irgendwo in Dänemark bleiben; die anderen bekommen dann die Meldung, wo sie das Boot übernehmen können. Das ist schon sehr entspannend, nicht immer darauf achten zu müssen, rechtzeitig wieder im Heimathafen zu sein. Wir haben schöne Tage an Bord, sammeln auf Aebeloe wannenweise Pilze, Ziegenlippen, Pfifferlinge en masse. Henrik hat Spaß in seinem Opti, rudert uns als Fährmann an Land, wenn wir irgendwo ankern. Nette Zeit mit ausgedehnten Wanderungen auf Samsoe, alles rundherum schön. Entspannung, Ruhe, brauchbares Wetter, ausreichend Wind. Wie es der Zufall dann doch so will ist ausgerechnet Aarhus der Hafen, in dem wir das Boot den Nachfolgenden übergeben. Wir laufen am späten Nachmittag ein, vertäuen das Schiff sorgfältig, räumen etwas auf. Ich schreibe eine Bedienungsanleitung, besondere Beachtung für den Motor. So sollen die anderen bitte darauf achten, daß das Kühlwasser nicht wärmer als 50 Grad wird, damit kein Salz ausfällt. Das wird -so stellt es sich Wochen später heraus- gründlich mißverstanden, sie bemühen sich -zum Glück vergeblich- die Temperatur nicht unter diesen Wert fallen zu lassen.
Ich erzähle Thomas von meinen Bekannten hier in Aarhus, die ich ja unbedingt besuchen sollte. Aber ich denke, es ist besser auf den Besuch zu verzichten. Nachher klopft man bei denen an der Tür und die Fallen vor Schreck um. Denken sich noch, wie blöde sie wohl waren ausgerechnet mich einzuladen und wie blöde ich wohl bin, das ernst zu nehmen. Kennt man ja aus Amerika. Einladungen sind grundsätzlich nicht so gemeint wie sie sich anhören. Thomas ist meiner Meinung, also wandern wir etwas durch die Stadt, gucken in Schaufenster, bewundern das Theater und genießen ein Eis.
Es folgt eine ruhige Nacht auf dem Boot. Etwas wehmütig, denn die Segeltour ist ja am nächsten Tag zu ende. Dann wird Freund Wolfgang kommen, wir werden den Optimisten auf das Autodach schnallen, unser Gepäck verstauen und uns auf die Heimreise machen.
Am nächsten Morgen auf dem Weg zur Dusche......wen treffen wir? Klar! Die beiden Dänen. Sie sagen, sie hätten das Boot schon am Vorabend gesehen, keiner sei an Bord gewesen, ich hätte doch versprochen sie zu besuchen, wo ich den geblieben sei und alles das. Nun müsse ich unbedingt an diesem Abend mit ihnen eine Party machen. Sie sind sichtlich enttäuscht, als ich ihnen erzähle, daß wir in kurzer Zeit abgeholt werden, daß das Auto nicht mehr abbestellt werden kann.. Ich soll dann aber doch mindestens sehen, wo sie arbeiten. Also geben sie mir eine Telefonnummer und verabschieden sich - nicht ohne mir das Versprechen abzunehmen, diesmal aber wirklich zu kommen.
Bald darauf erscheint mein Auto, Wolfgang hat noch einen Freund mitgebracht damit die Reise nicht so langweilig für ihn wird. Ich muß ihnen ja nun klarmachen, daß wir eben nicht sofort zurückfahren können. Wir müssen doch die beiden Dänen besuchen, da geht nun wirklich kein Weg dran vorbei. ----Du und deine Freunde überall, was du immer für Leute kennenlernst! Wir fahren irgendwo hin, lernen nie jemanden kennen, aber du------
Alles wird gepackt, verstaut, festgezurrt. Dann gehe ich zur Telefonzelle und wähle die mir gegebene Nummer. Es meldet sich die DSB, die Dänische Staatsbahn, das aber habe ich zuerst gar nicht so richtig mitbekommen. Nach etwas Zeit kann die Dame am anderen Ende mich verbinden. Einer der beiden ist am Apparat und sagt, wir hätten keine Chance den Ort zu finden, an dem er arbeitet. Wir sollten einfach dort wir gerade waren warten, er würde schon kommen uns zu holen und dann zu seiner Arbeitsstelle führen. Also stellen wir uns in der Stadt auf, warten neben der Telefonzelle, was da wohl passiert...wenn was passiert. Nach einer viertel Stunde kommt ein alter Passat angerauscht, drin die beiden Kollegen. Kurze Begrüßung, dann werden wir gebeten, ihnen zu folgen. Mit erhöhter Geschwindigkeit geht es durch die Stadt. Wir können knapp mithalten. Dann sind wir aus der Stadt heraus, es geht durch dünner besiedelte Gegend, irgendwann gar keine Häuser mehr. Pampa. Pairie. Just desert. Als wir schon denken, hier müsse gleich das Ende der Welt kommen, da tauchen Gebäude vor uns auf. Eine recht große Anlage, die sich als Lokomotivausbesserungswerk der Dänischen Staatsbahnen entpuppt. Wir werden in eine Art Aufenthaltsraum geführt. Die beiden erklären uns ihre Arbeit. Dann werden wir durch die ganze Anlage geschleust. In jede Lokomotive werden wird gelotst, klettern in Gruben, schauen und die Maschinen von unten an. Diesel werden gestartet und hochgefahren nur um uns die Geräusche zu erläutern. Ventile, die durch Zylinderköpfe geschossen sind, gerissene Motorblöcke, defekte Turbolader....alles wird erklärt. Viele Motoren sind von MAN, dazu sagt man hier aber Mann, nicht M...A ....N. Achsen sind häufig von Frichs. Wir lernen, wer was Brauchbares herstellt und was wohl nichts taugt. Dann sind wir wieder in dem ersten Raum, ein Kasten Bier und ein Kasten Brause werden hergezaubert. Irgendwann kommt der Chef vorbei. So ganz angetan ist er nicht, von dem was er sieht. Er fragt, was da denn da vorgehe, man solle doch eigentlich arbeiten. Die beiden heben jeweils zwei Finger in die Luft und sagen...zwei! In zwei Minuten sind wir wieder bei der Arbeit! Der Chef verschwindet.
Über Funk kommt ein Anruf, eine Lokomotive soll von A nach B. Also sind wir geschlossen rein in die Lok, der Diesel wird gestartet. 4300 PS. Knapp kann man an der Maschine in der Lok vorbei von vorn nach hinten oder umgekehrt. Nun soll Henrik die Lok fahren. Er fürchtet sich, will nicht so recht daran. Sein fest in der Hand gehaltener Teddy hilft ihm dabei. Dann geht es doch los durch das Gewirr von Schienen, Weichen, Kreuzungen, Signalen und sonstiger Technik. Dann werden wir in die nächste Halle geführt, Achsschäden, defekte Radkränze, geborstene Antriebe. Wieder kommt der Chef vorbei, diesmal sichtlich ärgerlich. Die Stimme schon leicht zornig, fragt, was denn nun Sache sei. Die beiden schauen ihn groß an und sagen: ....Moment, Macker! Moment! Wir haben gesagt: in 2 Minuten!
Jeder wußte, daß wohl gut eine dreiviertel Stunde seit der ersten Ermahnung vergangen war. Dennoch verschwand der Chef auch jetzt wieder. Unsere Führung war natürlich nicht zu ende. Wir tranken dazu noch ein oder zwei Bier. Erst deutlich später haben wir uns verabschiedet. Während der gesamten Rückreise gab es doch eine ganze Menge zu erzählen. (7. 8. 1985)

Downstairs-Dave


Auf der Fähre nach England lernte ich David kennen. Ich habe ihn später oft besucht, er war ein paar Mal hier, einige Male haben wir Reisen unternommen.
Er hat eine Menge Tätigkeiten ausgeübt in seinem Leben. Einige Zeit war er bei EMI und hat CDs verpackt. Von den fünf Arbeitern an seiner Station war er der einzige Nicht-Akademiker.
Später landete er bei einer Firma, die Siebdruck macht. Alle möglichen Stoffe und Bekleidungsstücke wurden bedruckt. Ich habe ihn mal da besucht. Kein toller Job. Er hat im Keller anfangs die Siebe auswaschen müssen. Deswegen Downstairs-Dave. Dann machten ihm die Chemikalien zu schaffen. Im Keller stand auch eine Druckmaschine, die Gerber. Eines Tages kommt er in den Keller und agonisiert steht ein Kollege da, zittert vor Angst. Dave fragt, was er hat. "Look, Dave, there are elephants on the Gerber!" Dave sagt, er habe keine Angst vor Elefanten. Doch der andere zeigt panisch auf die Maschine: "Look, Dave, they've got mashine- guns"! Soweit zum Thema Drogen am Arbeitsplatz.
Dann sollten sie T-Shirts bedrucken. Tolles Design. Mehrfarb-Druck. Sehr aufwändig. Der Künstler kommt ein paar Mal vorbei um die Farben zu justieren, die Siebe zu richten. "Tropical Fish" soll auf den Shirts stehen. 25ooo Stück soll die Serie umfassen. Probedruck - alles prima. Die Serie läuft an. Stück für Stück verlässt die Maschinen und wird getrocknet. Als sie so bei 23ooo angekommen sind und die Arbeiter sich unterhalten blickt Dave beiläufig auf die Shirts - und erstarrt: "Topical Fish" steht auf de Shirts! 23000 Stück müssen geschreddert werden!

In der Firma haben sie extra Aufkleber für Ausschuss gedruckt.

Substandard Panal

steht drauf........

Panal